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  • AutorenbildDennis Pfefferkorn

Storytelling als Werkzeug – und was Videografie damit zu tun hat

Aktualisiert: 1. Feb.

Einsamer alter Mann

Erinnern Sie sich an Ende November 2015? Vielleicht haben Sie damals Ihre kalten Hände an der ersten heißen Tasse Glühwein oder Punsch der Saison gewärmt, während ein kleines Bläserensemble Weihnachtslieder über den Adventsmarkt wehen lässt. Vielleicht haben Sie damals Ihre Wohnung geschmückt: ein kleines Rentier hier, ein grinsender Schneemann dort. Was auch immer Sie damals getan haben: An Ihnen wird kaum die Geschichte des alten Mannes vorübergegangen sein, der seinen Tod vortäuscht, um die Familie für die Feiertage zu sich zu holen.


Diese knappe Beschreibung genügt, und Ihnen kommt das virale Werbevideo Heimkommen sicherlich wieder in den Sinn, das ein großer deutscher Supermarktkonzern vor knapp acht Jahren in Auftrag gegeben hat. Die Geschichte um den einsamen Opa hat sich so sehr in unsere Herzen gebohrt, dass wir sie uns 2023 noch immer ohne Probleme ins Gedächtnis rufen können. Heimkommen ist ein Paradebeispiel für die emotionale Macht, die ein gut gemachtes Video auf uns haben kann. Und die wiederum könnte das Video nicht entfalten, wenn es nicht auf die hergebrachten Grundsätze des Storytellings zurückgreifen würde.


Offenes Buch mit einer Bleistiftskizze und dem Wort Storytelling

Von der Kunst, eine Geschichte zu erzählen

Menschen tendieren dazu, ihren Alltag in erzählender Form zu verarbeiten, zu narrativieren. Das tut das kleine Kind, das von den spannenden Erlebnissen im Kindergarten erzählt. Das tut man selbst, wenn man eine alte Freundin getroffen hat und diese verlangt: „Erzähl doch mal, wie läuft es?“ Und es gibt sogar die Theorie, dass das in der Urzeit bereits unsere Vorfahren getan haben, nachdem sie von der Jagd heimgekommen sind.[1]


Tag für Tag erzählen wir also, seit Jahrtausenden, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich in all dieser Zeit bestimmte erzählerische Kerne so gefestigt haben, dass wir sie automatisch und ohne nachzudenken wiedererkennen und nachfühlen können. Diese sogenannten Narrative reduzieren die Komplexität des Alltags, um uns unser Leben leichter zu machen.


Ein Beispiel gefällig? Sehen Sie sich ein Fußballspiel an. Warum empfinden es so viele Menschen als spannend, Menschen 90 Minuten lang einem Ball hinterherlaufen zu sehen? – Weil Fußball und jede andere Mannschaftssportart das wohl älteste Narrativ der Menschheitsgeschichte bedient: „Wir gegen die anderen“. Wegen dieses Narrativs fiebern wir für unsere Mannschaft mit und sind vom Glück berauscht, wenn sie gewinnt, oder traurig und wütend, wenn sie verliert. Dieses Narrativ schweißt Menschen zusammen, die gegen Ungerechtigkeit auf die Straße gehen. Geschichten haben Macht.


Storytelling ist nun die Kunst, diese Narrativierung der Welt zu durchschauen, zu verstehen und aktiv anzuwenden, um einem Gegenüber Informationen und Wissen zu vermitteln. Durch die Einbettung in eine Geschichte, die am besten noch starke Emotionen hervorruft, bleiben die Informationen nachweislich besser und nachhaltiger im Gedächtnis als ohne Geschichte. Denken Sie nur an Heimkommen: Der Name des Supermarkt-Giganten, der das Video hat produzieren lassen, ist in unseren Köpfen noch immer fest mit dem erfundenen alten Mann und seiner Familie verbunden.


Folglich ist es keine steile These, wenn ich hier behaupte, dass jeder Mensch, der auf irgendeine Weise im Kreativsektor arbeitet, die Grundzüge des Storytellings kennen sollte. In dieser kleinen Blog-Reihe werde ich deshalb ab sofort die kleinen und großen Bausteine aus dem Werkzeugkasten des Storytellings hervorholen und euch zeigen (oder zumindest ein paar Denkimpulse geben), wie ihr sie gewinnbringend in euren Videos umsetzen könnt.


[1] Siefer, Werner: Der Erzählinstinkt. Warum das Gehirn in Geschichten denkt, Hanser: München 2015.


Link zum Werbevideo Heimkommen: https://youtu.be/V6-0kYhqoRo?si=lnDzfRQ_0EiS76EQ


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Dennis Pfefferkorn




Dennis Pfefferkorn ist Lehrkraft für Deutsch und Latein an einem bayerischen Gymnasium. Zudem ist er als freischaffender Autor tätig. In seiner Bachelorarbeit legte er den Schwerpunkt auf Erzähltheorie und Storytelling.

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